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Trauer – Wut – Akzeptanz – Neustart.

Ich liege da und je mehr ich versuche, nicht zu weinen, umso mehr Tränen rollen aus meinen Augen. Das hier ist keine Trauer mehr. Das hier ist mehr. Das Gefühl von Versagen. Das Gefühl nach einem verlorenen Kampf. Man war so guter Dinge. Gelernt. Auswendig gelernt. Rauf und Runter. Vorbereitet. Für gut empfunden. Dann das niederschmetternde Urteil. Alles schlecht, alles scheiße. Keine konstruktive Kritik. Nur Brüllen. „Elle a rien compris!“, hörte ich ihn aus dem Zimmer schreien. Am liebsten hätte ich meine Sachen gepackt und wäre gegangen. Ich hätte mir damit einiges ersparen können. Ich hätte weglaufen sollen, weit weg, dem ganzen entkommen. Ich blieb. Dumme Idee. Meine Beurteilung fiel nicht weniger scheiße aus. Deswegen erhob ich mich irgendwann und zischte ein unfreundliches „Au revoir“. Als ich  das Gebäude wenig später verließ, heulte ich.

„Was war los?“

Ich schüttelte nur den Kopf. Ich wollte nicht reden. Mit niemanden. Nur heulen und schluchzen. 150 km Autofahrt später baute sich Stück für Stück die Wut in mir auf. Wut auf die gemeine Beurteilung. Denn wie ich es drehte und wandte: er hatte mich da komplett hineingeritten und mir damit ordentlich eins ausgewischt. Genau so war es, und ich hasste ihn dafür. Mein Puls schoss nach oben. Hass. Purer Hass. Weitere 100 km. Die Wut legte sich nicht, vielleicht ein bisschen. Dann mischten sich Tränen dazu. Gefühlschaos. Ich wollte mir neuen Mut zusprechen.

„Was ist, wenn ich auch den zweiten Versuch vermassle? Dann wären drei Jahre umsonst!“

„Umsonst ist im Leben nichts, denn du hast neue Erfahrungen gewonnen! Aber denk nicht ans Scheitern. Das packst du schon!“

Ich redete mir ihre Worte immer wieder ein. Sie hatte ja recht. Es fiel aber schwer. Meine Wut war so groß. Ich fühlte mich so lächerlich gemacht. Vorgeführt. Gegen das Gefühl konnte ich nichts machen. Vorbei. Es war vorbei. Jetzt hieß es sich wieder aufrappeln. Gerade fühlte sich alles einfacher als das an. Einfacher, als an die Zukunft zu denken. Trauer – Wut – Akzeptanz – Neustart. Es musste bergauf gehen. Musste. Irgendwie. Aber wie?

Ich nahm mir zwei Wochen Zeit. Zwei Wochen, in denen ich über meine Zukunft nachdachte, in denen ich mit allen möglichen Gedanken spielte, wie es weitergehen könnte. Irgendwann kam die rettende Lösung. Ich beschloss das zu wagen, was ich schon Jahre zuvor hätte tun sollen. Durch die vermasselte Prüfung traute ich mich endlich das, was ich noch Jahre vorher so angezweifelt hatte. Ich hatte Angst, den Schritt zu wagen. Jetzt war es wohl das beste, was mir hätte passieren können. Klar wäre es schön gewesen, hätte diese Prüfung geklappt. Doch ich habe nichts mehr dagegen, dass es eben anders lief. Diese Tür schloss sich. Eine neue öffnete sich kurze Zeit später. Und diese neue schaut nicht schlecht aus, wenn nicht sogar besser.

  • Wäre ich nie weggezogen, hätte ich nie die Liebe zu meiner Heimat entdeckt.
  • Hätte ich nicht entschieden, Französisch zu studieren, wäre ich nie nach Frankreich gegangen.
  • Wäre ich nie in Frankreich gewesen, hätte ich nie diesen Unfall gehabt.
  • Hätte ich nie den Unfall gehabt, hätte ich nie neue und alte Bekanntschaften gemacht.
  • Hätte ich die Prüfungen nicht nicht bestanden, hätte ich nie entschieden, zurück in meine Heimat zu gehen, um endlich das zu machen, was ich seit Jahren bereits plane.

Life happens while you’re making plans

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Ein Kommentar zu „Trauer – Wut – Akzeptanz – Neustart.

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