Geschichten

Es waren nur Sekunden, in denen er ihr so nah war, so schrecklich nah, bevor er sich wieder von ihr löste und die Gegenstände in den Händen hielt. Er führte seine Arbeit fort, einfach so.

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Als er mit seiner Arbeit zu Ende war, gesellte er sich direkt neben sie. Sie arbeitete einfach weiter. „Mach du deine Bestellungen, ich ordne das hier für dich!“ Ihr Erstaunen verbarg sie irgendwie gekonnt, nickte aber und bedankte sich. Er war jetzt nur noch ein paar Zentimeter neben ihr. Sie spürte, wie sein Arm ihren streifte. Es machte sie nervös, dass er jetzt hier neben ihr war. Sehr nervös sogar. Sie versuchte trotzdem so kalt wie möglich die Situation zu überstehen. Ignorieren, ignorieren, ignorieren, hörte sie die Stimme in ihrem Kopf. Sie wollte gleichgültig sein, sich nichts anmerken lassen. Sie versuchte kein Gespräch mit ihm anzufangen. Sie wollte desinteressiert wirken. Irgendwie.

Während sie mit ihrer Arbeit beschäftigt war, tat er das, was sie danach hätte machen müssen. Dass er das jetzt übernahm, ersparte ihr viel Zeit und Nerven. Sie sprachen nicht miteinander. Sie war gestresst, und er stumm. Die Stille zwischen ihnen war unangenehm. Er hatte schnell diese Arbeit auf der einen Seite beendet, als er von der anderen Seite die Gegenstände benötigte. Doch dazwischen stand sie.

„Könntest du sie mir vielleicht geben?“

Sie hörte seine Stimme in ihrem Ohr, hatte aber überhaupt keine Zeit ihm diesen Gefallen zu tun. Bestellungen über Bestellungen trudelten unaufhaltsam ein. Alles war für sie gedacht. Nichts für ihn. Sie kam beinahe nicht mehr hinterher. Der Schweiß rann ihr von der Stirn. Hier im Laden war es unausstehlich heiß. Das Chaos und seine Nähe gaben ihr den Rest.

„Hol sie dir halt!“

Ihr Ton war barscher als gewollt. Sie wollte ihn nicht anschnauzen. Ihr war es einfach so rausgerutscht. Sie ließ es dabei. Hier war der Ton sowieso immer etwas rauer, und er nahm es ihr nicht übel. Stattdessen wandte er seinen Körper zu ihr und griff selber danach. Nicht vor ihr, nicht hinter ihr, sondern er schlang seine Arme um sie herum. Er drückte sie dabei fest an sich. Ungewollt. Nicht ganz so vorhergesehen. Wahrscheinlich. Sie hingegen presste vor lauter Überraschung ihre Arme an ihren Oberkörper und hielt kurz mit der Arbeit inne. Es waren nur Sekunden, in denen er ihr so nah war, so schrecklich nah, bevor er sich wieder von ihr löste und die Gegenstände in den Händen hielt. Er führte seine Arbeit fort, einfach so. Als wäre das das Normalste der Welt gewesen. Doch das war es nicht. Auch sie versuchte die Situation spurlos an sich vorbeiziehen zu lassen. Sie gab keine Miene von sich, sondern arbeitete einfach weiter. Trotzdem fragte sie sich innerlich, was zur Hölle das war…

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