Lifestyle

Die Stadt, in der ich ein Leben lang lebte, und in der ich mich fehl am Platz fühlte, wirkte, als könnte es hier eine Zukunft geben.

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Ich konnte mir vor vielen Jahren nichts Besseres vorstellen als endlich diese Stadt zu verlassen. Zu lange hatte ich hier verbracht, zuviel erlebt. Gutes wie Schlechtes. Das Schlechte überwiegte. Ich musste raus, den Kopf freibekommen, neu anfangen. Es reichte. Es reichte mit der Stadt, mit den Leuten, mit den schlechten Gefühlen. Ich verschwand von hier. Mit der Hoffnung, es würde woanders besser werden.

Ich lernte ein neues Leben kennen, eine neue Stadt, neue Leute. Lebte mich ein, verliebte mich, entliebte mich, lebte mich wieder aus. Es wurde alles nicht besser. Es wurde nach einiger Zeit sogar schlimmer. Dann ging es weiter. Weiter weg. Noch weiter weg.  Neues Land. Dort wurde es das erste Mal toll. Wunderbare Stadt, wunderbare Menschen.

Ich wusste aber, dass es begrenzt war hier zu sein. Dann endete alles sogar noch früher. Erst war ich traurig, dann merkte ich: Das Timing stimmte, es war perfekt. Ich hatte meine Heimat vermisst, die Sprache, die Mentalität. Ich ging zurück. Es sollte nur für kurz sein. Kurzer Zwischenstopp. Dann sollte die Reise weitergehen. So der Plan. Er war gut. Gut durchdacht. Alles sollte so geschehen. Tat es aber nicht. Erst ging das eine schief, dann geschah das, mit dem ich nie gerechnet hätte. Es war unmöglich. Ich hatte alles falsch eingeschätzt: ich verliebte mich. Unerwartet, urplötzlich, ab den einem Ort, an dem ich als letztes gedacht hätte. Es war nie so geschehen. Auf einmal aber schon. Nur das ruinierte meinen Plan. Gut. Es war nicht das einzige, was alles irgendwie ins Ungleichgewicht brachte. Wenige Zeit später fiel mir aber auf: Es passte. Es passte genau in meinen Lebensplan. Es zerstörte weniger als es mir gab. Es war nicht so schlimm wie angenommen. Es war sogar gut. Sehr gut sogar. Denn die Stadt, vor der ich damals flüchtete, stellte sich als toll heraus. Sie war nicht so schlimm wie ich sie in Erinnerung hatte. Ich mochte sie. Sehr sogar. Plötzlich sah ich eine Zukunft hier.

Das Fernweh wurde schwächer. Mich zog es zum aller ersten Mal nirgends hin. Das erste Mal in meinem Leben wollte ich hier bleiben. Ich zog in ein anderes Bundesland, ich kam zurück. Ich zog ins Ausland, ich kam zurück. Jetzt bleibe ich. Vorerst. Nicht in der gleichen Stadt, aber in der Nähe. Die Stadt, in der ich ein Leben lang lebte, und in der ich mich fehl am Platz fühlte, wirkte, als könnte es hier eine Zukunft geben.

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