Geschichten

Es versperrt mir nicht den Weg, aber es begleitet mich. Nicht Hand in Hand. Eher unauffällig. Ein Schatten. Es wurde ein Teil von mir. 

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„Halte mich verrückt, aber wenn ich nach H. fahre, hoffe ich, ihn wieder zu sehen!“

Fast zwei Jahre lang hatte ich nicht mehr an ihn gedacht. Die Sache war abgeschlossen gewesen. Über diese Tatsache war ich nicht mehr unglücklich. Ich war sogar ziemlich zufrieden. Die Sache hatte keine Zukunft, und nach Wochen und Monaten, in denen ich das nicht verstehen wollte, akzeptierte ich es, packte meine Koffer und verschwand. Aus der Stadt, aus dem Land. Da wurde alles besser. Neues Land, Neue Stadt, neue Leute, neue Bekanntschaften, neue Gefühle. Nach einem Jahr kam ich wieder zurück, ungewollt, erst etwas bedrückt, dann aber auch froh. Eigentlich war er mir da immer noch egal. Dann war es nur noch ein paar Monate bis zur Reise nach H. hin. Erinnerungen kamen auf, schwappten über. Irgendetwas änderte sich. Irgendwas in mir.

„Ich weiß nicht, ob das so gut ist, wenn du ihn triffst! Also, du wünschst dir das, aber ich bezweifel, dass das so gut für dich ist!“

Gerne würde ich das abstreiten, doch sie hatte recht. Es wäre nicht gut für mich. Es wäre schlecht. Wieder das ganze von vorne. Wieder Monate, in denen ich mir wünschte, alles wäre anders gekommen. Es würde nicht besser werden. Wir wären wieder in derselben Situation. Alles beim Alten. Nur die alten Wunden würden wieder aufgerissen werden. Sie würden dadurch nicht heilen. Es würde keine Lösung geben. Nur mehr Fragen. Oder die gleichen. Genauso wie die gleichen Probleme. Trotzdem würde ich fahren.

„Du solltest dir es aber auch nicht wegen ihm nehmen lassen, dorthin zu fahren! Außerdem ist die Stadt groß genug, um ihn nicht zu sehen!“

Ich schluckte. Es stimmte. Die Stadt war groß, zu groß. Über den Weg laufen würde an ein Wunder grenzen. Ein schlechtes Wunder. Es wäre nicht gut. Das musste dringend in meinen Kopf. Ich musste es verstehen, für richtig ansehen. Ich habe abgeschlossen, habe losgelassen. Es versperrt mir nicht den Weg, aber es begleitet mich. Nicht Hand in Hand. Eher unauffällig. Ein Schatten. Es wurde ein Teil von mir.

 

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