Was man wissen sollte

Was man über andere internationale Studenten wissen sollte


Die Briten, Schotten, Iren, Nordiren und Waliser


England

Sich in die Gruppe der Briten zu gesellen, war eine sehr schwierige Angelegenheit. Sie blieben wirklich lieber für sich selbst, als Kontakte mit Nonanglophonen zu knüpfen. Daher sprachen sie ausschließlich Englisch. Da kam ich auch das erste Mal in Berührung mit den vielen Dialekten vom United Kingdom. Nicht alle verstand ich, doch bei ihnen ist mir etwas deutlich aufgefallen: die vielen Variationen und das Ausmaß des Wortes „F***“. Meistens in keinem negativen Sinn. Zu Beginn meines Studiums in Frankreichs saß ich in einer Veranstaltung, deren Sinn sich mir auch jetzt noch nicht wirklich erklärt. Das sah der Engländer neben mir genauso und regte sich neben mir so leise mit englischen Ausdrücken auf, dass ich mir das Lachen nicht verkneifen konnte.

Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, mit den Briten über den Brexit zu reden. Als ich nach Toulouse kam, war die Brexit-Entscheidung erst zwei Monate her gewesen. Die Meinung dazu war bei allen Nordiren, Iren, Schotten, Engländer und Waliser die gleiche: der Brexit ist scheiße. Niemand von ihnen befürwortet den Brexit, Monatelang haben sie versucht, noch irgendwie zu hoffen, dass es doch noch eine Möglichkeit gäbe, in der EU bleiben zu können. Irgendwann verschwand das Hoffen im Laufe der Zeit, und am Ende stand da nur noch Wut. Wut auf ihre Regierung, Wut auf die Bürger, die für den Brexit gestimmt haben, und vor allem Verzweiflung.


Die Isländer


Island

Ich habe in meinem Leben noch nie jemand kennen gelernt, der aus Island stammt. Erinnert ihr euch noch an die Zeit während der EM: die Isländer haben uns allen das Herz geraubt, mit ihrem Charme, ihrer Authentizität, und der lustigen Tatsache, dass ihre Nachnamen alle mit -son enden.  Den einzigen Isländer, dessen Namen ebenfalls mit -son aufhört, lernte ich erst im zweiten Semester durch verschiedene Kurse näher kennen. Es kann seinem Charakter geschuldet sein, und weil er der einzige war, hatte ich keinen Vergleich, aber er ist eine unglaublich entspannte Persönlichkeit. Hektik kennt er nicht, Stress auch nicht. Genau so stell ich mir auch die Isländer vor.


Die Finnen


Finnland

Ich habe noch nie jemand aus Finnland kennen gelernt. Hier waren es auf einmal sechs, zu denen ich schon beim ersten Wort einen guten Draht hatte. Ich bin keine besonders offene Person, aber mit den Finninnen kam ich sofort in ein Gespräch und durch den schrägen Humor wurden sie mir noch sympathischer. Sarkasmus und Ironie verbindet eben auch über die Muttersprache hinweg. In Sprachen sind Finninnen fast unschlagbar. Englisch und Französisch sprechen sie nämlich perfekt. Die Finninnen, die ich kennen gelernt habe, wussten alle, wie man feiern gehen und wie man Spaß haben kann. Sie reisten auch verdammt gerne. Bei ihnen musste am Wochenende immer etwas los sein.


Die Australier


Australien

Auf die Australier stieß ich durch Zufall: er sprach Englisch, hatte aber weder einen amerikanischen, noch britischen Akzent. Auf den Gedanken, dass er aus Australien stammen könnte, kam ich in dem Moment nicht. Verdammt, das war echt peinlich. Auf einer Geburtstagsfeier lernte ich dann die Australierin kennen. Durch ihre offene und herzliche Art erzählte ich nur paar Minuten später mein halbes Leben. Ich hatte mit beiden, im Gegensatz zu den Briten, sofort ein gutes Verhältnis. Sie sind offen, lustig und eindeutig leicht verrückt. Natürlich waren die Australier daran interessiert, in Europa zu reisen. Schließlich ist Australien nicht gleich um die Ecke. Dasselbe Interesse für die Kultur anderer Länder galt auch den Menschen. Sie sind für alle Nationalitäten offen und interessieren sich sehr für die europäische Kultur. Genauso sieht das mit Sprachen aus. Wenige Einwohner in Australien sprechen eine andere Sprache als Englisch. Warum auch. Die nächsten Länder anderer Sprache liegen viel zu weit entfernt.


Die Belgier und Niederländer


Niederlande

Die Belgier und Niederländer nenne ich liebevoll die neutrale Schweiz unter den Erasmus-Studenten, denn alle, die ich kennen gelernt habe, sind die wohl freundlichsten Menschen von allen. Sie verstehen sich tatsächlich mit jedem gut, sind immer willkommen bei Feiern und sind manchmal echt lustig drauf. Das Spannende: Französisch, Englisch, Niederländisch und Deutsch sprechen sie perfekt, manchmal auch kurze Zeit hintereinander, immer mit der perfekten Grammatik. Wenn jemand sprachbegabt ist, dann sie.


Die Deutschen


Deutschland

Wenn man in Deutschland lebt, macht man sich nie Gedanken darüber, wie wir Deutschen eigentlich sind. Erst durch andere Nationalitäten nahm ich die deutschen Tugenden wahr: Struktur, Ordnung, Pünktlichkeit, Genauigkeit. Es ist nicht selten, dass ich den Satz „Ach, die Deutschen“ höre. Selbst diejenigen, die denken, nicht typisch deutsch  sind, sind es. Vor allem wenn es um Pünktlichkeit geht. Wenn der Termin um 10.30 ist, müssen wir genau um 10.30 erscheinen. 10.40 ist zu spät. Bei anderen Nationen ist es normal, eine Stunde später zu kommen, von beiden Parteien aus, oder auch gar nicht zu kommen.

Wir Deutschen meckern ja gerne über unsere Bürokratie. Wir müssen eingestehen. Wir meckern eigentlich ständig, aber bei der Bürokratie werden die Stimmen am lautesten. Sieben Monate Frankreich haben mir gezeigt, dass wir mit unserem System mehr als nur zufrieden sein sollten. Denn bei uns läuft es. In Frankreich auch, aber umständlicher und zeitverzögerter.

Wir Deutschen sind auch echt (zu) diszipliniert.Wird uns eine Arbeit gestellt, erledigen wir sie. Meistens können wir es auch nicht mit uns vereinbaren, es nicht zu tun. Es muss ja nicht immer perfekt sein. Hauptsachen wir tun irgendetwas. Ich sage nicht, dass andere Nationalitäten nicht diszipliniert sind. Das sind sie. Aber wir Deutschen sind dann doch verbissener. Als wir die Aufgabe gestellt bekamen, eine Hausarbeit zu schreiben, fing ich am gleichen Tag, obwohl der Abgabetermin erst zwei Monate später war. Die Finnin fing zwei Wochen vorher an und erledigte alles entspannter als ich es tat.

Nichtsdestotrotz haben wir Deutschen einen guten Ruf, wenn es um Sprachen geht. Ich wurde auch bereits öfters gefragt, ob es stimmt, dass die Deutschen fast jede Sprache perfekt können.


Natürlich ist alles, was ich hier schreibe, verallgemeinert. Es gibt Ausnahmen, nicht jeder ist gleich. Es sind meine Eindrücke von den anderen Nationalitäten. Außerdem soll das ganze zeigen, welchen tollen Erfahrungen ich mit den anderen Ländern gemacht habe. Sieht irgendjemand in meinen Sätzen etwas, was ihn darauf schließen lassen könnte, dass ich andere Länder schlecht rede bzw. Deutschland über andere Länder stelle, dann hat er sich definitiv verlesen.

*all pics are from pixabay

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