Lifestyle

7 Monate Toulouse #2

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Januar:

3.1: ich hatte wohl die aller schlimmste Rückreise. Erst ging es um 1.55 mit dem Bus nach Berlin, wo alle paar Minuten ein kleines Mädchen durch den Bus geschrien hat. Um 3.30 hielt uns die Bundespolizei an, um ein paar Reisende zu überprüfen. Einer davon wurde sogar mitgenommen, kam aber später wieder. Dann ging es weiter. Als ich in Berlin dann aus dem Bus ausgestiegen bin, um zum Berlin Tegel zu gelangen, war ich innerhalb von 10 Minuten durch und war über drei Stunden zu früh dran. Dann ging mein Flugzeug auch noch 20 Minuten später los, war aber pünktlich in Frankfurt. Wieder 2,5 Stunden Wartezeit. Dann die Tortur: Gate 68, 56, 62, 64, 56. Dann startete der Flieger auch noch fast eine Stunde später. Grund war der morgendliche Schneesturm in Deutschland. Ich war so froh, als ich dann endlich in Toulouse war. Man bedenke: ich habe in der ganzen Zeit maximal eine Stunde Schlaf gehabt. Außerdem war ich auch noch heftig erkältet. Im Flugzeug fühlte es sich an, als würde mir der Kopf bald platzen.

27.1: Für meinen Geburtstag ging es mit einer Freundin nach Narbonne. Blöderweise hat es den ganzen Tag geregnet und gestürmt. Das war’s dann also mit einem schönen Tag am Meer. Als wir dann auch noch in Gruissan waren, vergaßen wir auf die Zeiten des Busses zu achten und standen dann vor den Busabfahrtzeiten, die uns sagten, dass der nächste Bus erst zwei Stunden später abfahren würde. Hungrig und genervt vom Wetter bestellten wir uns ein Taxi. Anders war es sonst nicht möglich, wieder nach Narbonne zu kommen.

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Februar:

18.2: ich bin zurück aus Tours und Paris. Paris war das absolute Chaos. Nicht die 6,5h Zugfahrt und auch nicht die Tatsache, dass mein Wagon gefehlt hat. Auch nicht mein Hostel, das eine geniale Lage hatte, sondern die Tatsache, dass Paris so laut und groß war, dass ich mich ständig verlaufen habe. Im Louvre dann waren so viele Menschen, die sich so unmöglich aufgeführt haben, dass ich nach zwei Stunden das Weite suchte.

23.2: Langsam freue ich mich, wieder nach Deutschland zu kommen. Ich habe etwas genug von Frankreich. Nicht weil es mir nicht mehr gefällt. Frankreich ist wunderschön. Ich liebe die Sprache. Ich liebe das Essen. Ich liebe die Kultur. Doch mir fehlen die deutschen Tugenden, auf die ich einfach nicht verzichten kann.

27.2: Langsam entsteht in mir das Gefühl, dass ich wieder nach Hause will. Die ersten sechs Monate waren zwar einfach genial, aber jetzt geht mir langsam die Luft aus. Liegt wohl am Stress. Nur noch 3,5 Monate.

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März:

15.3: Bis vor kurzem hatte ich noch Heimweh, jetzt will ich bloß nur nicht so schnell zurück. Denn langsam tickt die Uhr. Ich bin nur noch drei Monate hier, dann verlasse ich Frankreich. Ich geh nach Deutschland. Es sind tatsächlich nur noch drei Wochen Unterricht und zwei Wochen Prüfungen, bevor ich dann erst einmal 1,5 Monate Urlaub genießen kann.

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April:

01.04: Vor drei Tagen passierte das wohl Schlimmste, was jemals hier hätte passieren können. Ich war im Trampolinpark und habe mich am Knie verletzt. Sechs Stunden im französischen Krankenhaus später das Ergebnis: Kreuzband- und Meniskusriss. Im schlimmsten Fall muss ich operiert werden. Es sind Ferien, also keine Uni, die ich verpasse, aber das macht die Sache gerade nicht besser. Ich überlege mir jetzt, ob ich meinen Aufenthalt Mitte Mai abbrechen soll. Aber nein. Ich bleibe. Dann halt mit Krücken. Ich schaffe das.

11.04: In einer Woche soll ich irgendwann meine erste Physiotherapie bekommen. Eine Woche lang lag ich jetzt flach in meinem Bett mit höllischen Schmerzen. Ich weinte. Ich weinte viel. Ich wollte meinen Aufenthalt hier zu Ende machen, nicht so schnell aufgeben, doch es geht nicht mehr. Ich werde Frankreich Anfang Mai verlassen. Ich bin traurig. Ich wollte hier doch noch soviel erleben, habe sogar bereits einen Flug nach London gebucht. Doch nichts geht mehr. Ich kann nicht mehr in die Uni gehen, ich kann nicht mehr gehen, kann keine Prüfungen mehr machen. Das Semester, der Aufenthalt ist von heute auf morgen einfach vorbei.

19.04: Bis vor Kurzem dachte ich noch, dass ich ein paar Wochen in der Uni und zwei Monate in Frankreich haben werde, jetzt ist es entschieden: ich verlasse Frankreich am 5.5. Die Reise ist geplant, ich werde verschwinden. Schlagartig ist alles vorbei. Ich werde nie wieder an der Garonne entlang joggen, mit Freunden in Bars gehen, bei ihren Picknicks teilnehmen. Endlich habe ich wirklich Anschluss gefunden, der Unfall hat alles zerstört.

23.04: Ich bin bereit, Toulouse hinter mir zu lassen, vor allem aus gesundheitlichen Gründen. Ich muss wissen, was mit meinem Knie los ist. Es tut weh, auch nach drei Wochen. Das kann einfach nicht in Ordnung sein. Ich weiß, dass der Arzt von Meniskus- und Kreuzbandriss ausgeht, aber sicher ist das eben noch nicht. Gerade dreht mein Kopf vollkommen durch. Ich habe panische Angst vor den Monaten, in denen mein Bein wieder funktionsfähig gemacht wird. Jeden Morgen wache ich ohne Schmerzen im Knie auf, denke, dass alles in Ordnung ist. Heute hielt ich mein Bein aber irgendwie falsch, übte versehentlich Kraft aus und hatte sofort Schmerzen auf beiden Meniskusseiten.

06.05: Schon bin ich zurück in Deutschland. Wieder mit höllischen Schmerzen, weil ich gestern irgendwie doof auf das Bett im Hotel gesprungen bin. Ich bin einfach nicht für ein verletztes Bein geschaffen. Der Abschied von meinen Freunden war die Hölle. Ich werde sie alle so unglaublich vermissen. Natürlich wohnen einige nicht so weit entfernt, irgendwo in Deutschland, aber die anderen sind so weit entfernt. Als ich dann heute Nacht das Hotel verlassen habe, habe ich erst einmal total geweint, denn ich bin sauer. Es kommt mir vor, als würde das Schicksal ein Beil über alle Erasmus-Studenten kreisen lassen und bei einem fällt’s runter. In diesem Fall eben bei mir. Ich war zwar sieben Monate hier, aber im Nachhinein hätte ich die neun doch liebend gerne beendet. Wurde mir aber anscheinend verweht.

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