Geschichten

Es war nicht mein Zuhause, er war nicht mein Zuhause. Es war woanders…irgendwo.

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„Kommst du?“ Er streckte mir seine Hand entgegen. Ich starrte ihn nur an. „Wohin?“  „Nach Hause!“ Mein Blick schweifte zu seiner Hand. Ich hätte sie gerne ergriffen, wäre ihm gefolgt. Wahrscheinlich würde ich mit ihm ans Ende der Welt flüchten. Nur er und ich. Wir beide. Ich zögerte aber. „Nach Hause!“ Ich sprach mehr mit mir selbst als mit ihm. „Komm mit mir!“ Ich schaute wieder in seine Augen, seine blauen Augen. Oh, sie waren so schön. Oh, er war doch so schön. „Wir beide? Zusammen? Wer sagt mir denn, dass du nicht wieder verschwindest? Mich wieder alleine lässt?“ Er senkte seine Hand nun. In seinem Gesicht veränderte sich der Ausdruck. Er wurde nachdenklich.

„Ich habe dich schon einmal gehen lassen. Das möchte ich nicht noch einmal!“

„Eine Garantie ist das aber nicht!“

„Da hast du recht! Aber hierher gehörst du auch nicht!“

„Ich weiß!“

„Dann komm zu mir, komm nach Hause! Da gehörst du hin!“

„Warum sollte ich? Hab ich damals auch nicht. Hast du entschieden. Warum sollte ich es denn gerade jetzt schon?“

„Damals wusste ich es nicht. Jetzt schon!“

Einen weiteren Impuls unterdrückte ich, der mich zu ihm drängen wollte. Ich wollte. Ich wollte so sehr. Aber es ging nicht. Nicht mehr. Wir hatten unsere Chance, und diese nicht ergriffen.

„Weil es zu spät ist!“

„Zu spät?“ Er wirkte überrascht.

„Es ist ein Jahr vergangen. Ich war weg, ich bin wieder hier. Ich gehe wieder. Glaub mir: es ist zu spät!“

„Bist du dir sicher?“

Ich nickte. Dann wandte er sich um und ging. Ich folgte ihm nicht. Es war nicht mein Zuhause, er war nicht mein Zuhause. Es war woanders…irgendwo.

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