Kolumne

Jetzt passe ich hier also nicht mehr rein. Jetzt gehöre ich woanders hin. Dort ist mein neues Leben, vorerst.

dsc_0811Als ich aus dem Zug steige, ist da dieses Gefühl von „Ich komme nach Hause“. Alles ist hier so vertraut, ich kenne mich in dieser Stadt aus. Gut. Kurz zuvor war ich in Paris und habe mich gefühlt tausendmal verlaufen. Dazu kommt, das Paris laut und stressig war. Aber hier ist es was ganz anders. Ich habe hier mehrere Monate gelebt. Die Stadt wurde zu meinem zweiten Zuhause. Die Stadt ist kleiner, gemütlicher.

Am nächsten Tag, am nächsten Morgen schnappe ich meine Laufschuhe und laufe los. Ich will mich fühlen, als wäre dieses eine Jahr nicht vergangen, als wäre ich nie weg gewesen. Doch es fühlt sich nicht wie damals an. Irgendetwas ist anders. Wahrscheinlich hat sich die Stadt verändert. Okay, nicht alles. Die Loire steht wie immer sehr hoch. Einzelne Bäume sind bereits überflutet. Das hat sich nicht geändert. Genauso wenig wie das Wetter. Es regnet. Wie damals.

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Trotzdem wirkt die Stadt anders. Ein Jahr ist ja auch lang. Aber ich merke, es ist nicht nur die Stadt, die sich verändert hat, sondern auch ich. Als ich hier vor einem Jahr angekommen war,  suchte ich eine Möglichkeit, um für eine Weile Deutschland verlassen zu können. Zuviel war Geschehen, zuviel, was mich nach unten gezogen hatte. Bei meiner Ankunft suchte ich eine Möglichkeit, wieder glücklich zu werden. Ich erinnere mich noch, als ich in den ersten Tagen und Wochen nicht loslassen konnte und mir vorgestellt habe, es würde noch ein Happy End geben. Dann, von dem einen auf den anderen Tag, waren die Gedanken einfach verschwunden. Ich vergaß es und wurde hier tatsächlich glücklich, sehr glücklich sogar. Als es dann zurück nach Deutschland ging, waren alle Sorgen verschwunden.

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Jetzt, ein Jahr später, hat sich daran nichts geändert. Die Gefühle von vor einem Jahr sind verschwunden, genauso aber auch das Zuhause-Gefühl. Ich fühle mich wie eine Fremde. Auch wenn es irgendwie mein zweites Zuhause war, ist es das jetzt nicht mehr. Vor einem Jahr habe ich hierher gehört. Vor einem Jahr war diese Stadt genau das, was ich in meinem Leben gebraucht habe, um einfach aus dem Alten herauszukommen, um etwas Neues zu beginnen. Doch jetzt bin ich irgendwie aus dieser Stadt ‚herausgewachsen‚. Ich habe mich entwickelt, ich habe neue Erfahrungen gemacht. Jetzt passe ich hier nicht mehr rein. Jetzt gehöre ich woanders hin. Dort ist mein neues Leben, vorerst.

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