Fitness

Ich bin keine Wettkampfläuferin. Zeit, Geschwindigkeit muss mir nicht wichtig sein. Ich laufe, um den Kopf freizubekommen, in mich zu gehen, auf meinen Körper zu hören.

Mit dem Laufen verhält sich das bei mir so: Morgens wache ich auf, und mein erster Gedanke ist „oh, scheiße!“. Dann rolle ich mich aus meinem Bett raus, stapfe zur Küche und schmeiße den Wasserkocher an. Erstmal Kaffee. Davor läuft bei mir gar nichts. Ich kann nicht auf nüchternen Magen laufen, also gibt’s dazu zwei Honig-Toasts. Dann heißt es warten. Ungefähr eineinhalb Stunden, in denen ich immer wieder überlege, ob ich nicht doch zuhause bleiben soll. Mehrfach schau ich da aus dem Fenster, finde das Wetter zu blöd oder eben nicht, diskutiere mit dem Schweinehund, dann geht’s los. Ich schmeiß mich in die Laufklamotten und schnapp mir mein Handy. Los. Wenn ich dann draußen bin, bin ich endlich etwas motivierter. Die Nike-App wird geöffnet, auf Start gedrückt, dann kann es mit Musik in den Ohren losgehen. Anfangs fühlen sich alle Schritte so leicht an. Meine Beine wachen immer mehr auf, mein Puls erhöht sich allmählich. Der Start, die ersten 2km, lasse ich relativ schnell hinter mir. Bis vor kurzem war es mir noch relativ wichtig, wie schnell das ganze funktionierte. Nach jedem Kilometer ertönte eine Stimme in meinen Kopfhörern, die mir Distanz, Zeit und Geschwindigkeit vorsagte. Diese Funktion habe ich endlich ausgestellt. Mir ist es egal, wie ich laufe. Ich laufe nun nur noch nach Gefühl. Solange ich schaffe, solange ich will. Beim Laufen ist mir Abwechslung unglaublich wichtig, deshalb veränderte ich meine Laufstrecken immer mal wieder. Manche Läufer haben ja die Angewohnheit, Jahre lang immer wieder die gleiche Strecke abzulaufen. Mir ist das zu öde. Meine erste Überwindungsphase beim Laufen beginnt bei 4,5km. Dann werden die Beine langsam schwerer. Dann heißt es Zähne zusammenbeißen. Wenn der Schweinehund zu groß wird, oder ich sogar ein schmerzendes Ziehen in den Beinen spüre, kann es schon vorkommen, dass ich aufhöre. Muss sein. In meinem Lauflebenslauf habe ich gelernt, dass es wichtig ist, aufzuhören, wenn Schmerzen auftauchen. Nach zwei längeren Laufpausen, die verletzungsbedingt waren, höre ich nun besser auf meinen Körper. Wenn es nicht mehr geht, dann geht es eben nicht mehr. Ich quäle mich nicht mehr.

Wenn alles jedoch gut läuft, sind mein Ziel immer 6 Kilometer. Das hat den Grund, dass ich in der Schule einen 6-Kilometer-Lauf unter 40 Minuten absolvieren musste und da regelmäßig durchgeflogen bin. Das hat sich in mein Gedächtnis eingeprägt. Wenn die 6 Kilometer geschafft sind, ziehe ich innerlich eine Bilanz. Ich frage mich, wie weit es noch gehen kann. Reicht das, schaff ich noch ein bisschen, oder wollen meine Beine mehr. Es kommt auf den Tag, auf die Temperatur oder meine allgemeine körperliche Verfassung an. Ein was ist für mich dann immer klar: egal wie weit es noch geht, alles ist besser als nichts. Aber auch nichts kann gut sein. Man sammelt die Energie, um dann wieder mit Anlauf einzusteigen. Ich bin keine Wettkampfläuferin, keine Wettkampfsportlerin. Zeit, Geschwindigkeit muss mir nicht wichtig sein. Ich laufe, um den Kopf freizubekommen, in mich zu gehen, auf meinen Körper zu hören. Komme ich nach dem Lauf nach Hause, bin ich stolz wie Bolle. Dann kann der Tag für mich starten.

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