Lifestyle

Wochenrückblick #2

Ich hätte nicht erwartet, dass schon wieder die nächste Woche vergangen ist. Die Zeit rast hier. Schneller als jemals zuvor. Kaum vorstellbar, dass ich bereits knapp vier Monate in Frankreich lebe. Erst meine einigermaßen eingeführte Routine zeigt mir, dass ich mich hier bereits eingelebt habe. Richtig angekommen fühle ich mich aber noch nicht, vor allem aus dem Grund, weil ich hier sehr wenig Französisch spreche. Tatsächlich sind manche Tagen sogar weit davon entfernt. Das Verständnis der Französischen Sprache ist weitaus besser geworden. Trotzdem bekomme ich meinen Mund einfach nicht auf und wechsel gerne in das Deutsche. Im nächsten Semester wird damit aber Schluss sein. Ich werde keine deutschen Kurse mehr belegen. Deswegen bin ich nicht nicht nach Frankreich gegangen. Im nächsten Semester werden außerdem alle deutschen Erasmusstudenten weg sein. Ich bleibe übrig. Meine Chance. Rausgehen, Französisch sprechen, mehr zutrauen.

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Jeder Tag hat seine Routine. Morgens aufstehen, Wasserkocher anschmeißen, im Bad erst einmal eiskaltes Wasser in das Gesicht spritzen. Dann bin ich einigermaßen wach. Frühstück, Haferflocken mit Obst, einen Kaffee. Dabei einmal die Nachrichten anschauen. Sich informieren, was in der Welt schon wieder los ist. Nie freudige Nachrichten, immer viel zu bedrückend. Dann mache ich mich für die Uni fertig. Haare richten, ein bisschen Puder, Lidstrich. Mehr nicht. Dann stapfe ich los. Früher habe ich den Bus genommen, jetzt laufe ich bis zur Metro-Station. Ein Fußmarsch von 15 Minuten. Akzeptabel. Dann hinab wie zig andere Menschen in die Metro. Warten. Hoffen, dass die U-Bahn nicht wieder komplett überfüllt ist. Viele Studenten wollen dahin, wo ich hin möchte. An manchen Tagen kann ich daher erst die dritte heranbrausende Metro nehmen. Nimmt nicht viel Zeit heraus. Ist eben so. Dann stehe ich zwischen den vielen Menschen eingeklemmt da. Eingeklemmt. Eindeutig. Manche nehmen sich wirklich viel Körperkontakt heraus. Mir irgendwie etwas zu nah. Ich freue mich, wenn die Haltestelle endlich auftaucht. Rausspringen, ab in die frische Luft.

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Story der Woche

Den Aufzug verlasse ich immer kopflos, in Gedanken versunken. Liegt aber auch an der Musik, die in meinen Ohren läuft. Ich gehe in ihr unter. Meistens achte ich dann nicht mehr auf meinen Weg. Ich bin deswegen schon oft genug gestolpert. Also verlasse ich den Aufzug wie immer gedankenversunken. Ich bin es ja gewohnt, dass in dem Moment irgendeine Person vor mir die Tür aufknallt und ich fast dagegen renne. Auch in diesem Fall. Nein, es ist nicht der, den ich schon zu oft über dem Weg gelaufen bin, in schlechten Momenten natürlich. Ein anderer. Doch als ich geschockt nach oben blicke, schaue ich in schöne blaue Augen. Er grüßt mich mit einem verschmitzten Bonjour. Wir beide müssen durch die nächste Tür hindurch. Irgendetwas sagt er, aber wegen der Musik in meinen Ohren verstehe ich nichts. Er hält mir die Tür auf, damit ich vor ihm hindurchgehen kann. Ich bedanke mich mit Merci. Ein richtiger Gentlemen ist er. Diese kurze Begegnung zaubert mir auf den Weg zur Bushaltestelle ein echt bescheuertes Lächeln auf die Lippen. Einfach deswegen, weil er so nett und höflich war. Keine Seltenheit hier, aber es lässt mich immer wieder lächeln. Ich denke da nur an die abertausenden Türen, die mir in Deutschland gegen die Nase gehauen wurden…

An der Bushaltestelle angekommen blicke ich auf den Boden und versuche mein bescheuertes Grinsen zu verbergen. Die Menschen um mich herum realisiere ich nicht wirklich. Dann spüre ich aber doch einen Blick auf mir. Er dauert keine Sekunden, sondern fast eine Minute. Jetzt muss ich den Kopf heben. Da steht er dann auch. Wie immer unvorbereitet. Er ist an dem Haltestellenhäuschen gelehnt, raucht eine Zigarette. Ach, scheiße, ich hasse Raucher, schießt es mir durch den Kopf. Sein Blick bleibt auf mir liegen, ich blicke wieder davon. Dann schaut er auch davon. Man sieht sich im Leben immer zweimal? Ich sehe ihn jetzt schon das siebte Mal. Dieses Mal schau ich sogar gut aus. Ich erwidere seinen Blick nicht. Wieso? Ich weiß es nicht. Mich verunsichert die Tatsache, dass ich immer noch Schwierigkeiten mit dem Französischsprechen habe. Ich bin nicht perfekt, muss tausendmal nachfragen, wenn mein Kopf überhaupt nicht mitmachen möchte. Ich verzettel mich in nervösen Situationen, bekomme keinen klaren Satz raus. Weder auf deutsch, noch auf französisch. In meinem Kopf herrscht pure Leere. So verging #7 also genauso wie alle anderen….

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