Lifestyle

Dort oben auf dem Berg, ohne Netz, ohne ständige Erreichbarkeit fühlte ich mich befreiter als jemals zuvor.

Social Media. Ich bin ohne sie aufgewachsen. Auch ohne Smartphones. Mein erstes Handy bekam ich mit 14 Jahren. Mit 16 dann das erste mit Kamera und Musikfunktion. Ich war so glücklich über das Teil. Es überlebte außerdem vier ungewollte Balkonstürtze. Das erste Smartphone kam mit 17. Seitdem hat sich viel getan. Drei Smartphones hatte ich bis jetzt. Länger haben sie nicht gehalten. Damit war ich immer und überall mit den Social Media Kanälen Facebook, Instagram, Snapchat – auf gut deutsch- connected. In meiner Schülerzeit gab es nur schülervz, mehr war da nicht. Reichte auch. Ich sah die Menschen, die ich kannte, jeden Tag in der Schule. Gab es was zu sagen, dann dort. Geschrieben wurde über Sms, wenn das Budget das erlaubte. Oder Angerufen. Zuhause. Nicht mobil.

Die letzten 10 Jahre haben sich nur so wahnsinnig rasant entwickelt. Mehr online statt offline. Whatsapp-Nachrichten sind schnell geschrieben, Fotos schnell verschickt. Meine Großeltern sagen immer, ihr, die Jugend, ihr kennt euch damit so gut aus. Nun, teilweise, ich hadere selber mit dem ganzen neumodischen Kram. Würde mir niemand die Geräte erklären, würde ich wahrscheinlich restlos überfordert sein. Außerdem muss ich gestehen: ich vermisse die Zeit, in der alles offline geschehen ist. Kein Whatsapp, kein Facebook, kein Instagram, kein Snapchat. Die neue digitale Welt kann aufregend sein. Informationsfluss in Hülle und Fülle, wunderschöne Bilder, produktive Diskussionen. Diese interaktive Welt wird von allen Seite genutzt. Über Facebook wissen wir, was unsere Bekannten treiben, ohne mit ihnen sprechen zu müssen. In Instagram lassen wir uns motivieren. Whatsapp ermöglicht es uns, Bilder zu verschicken, schnelle Konversationen zu führen, immer irgendwie erreichbar zu sein. Kostet ja nichts. Nicht soviel wie eine Sms, oder telefonieren. Wir mögen erst zu bemerken, wie lange wir in der online-Welt leben, wenn wir sie für einen Moment beiseitelegen.

Weit, weit, hoch oben auf den Gipfel der Pyrenäen, ohne Netz, ohne die Möglichkeit, dass Handy auszupacken, weil man sonst Angst haben muss, dass man auf die Schnauze fällt (und mir ist genau das passiert). Dort oben waren jegliche Gedanken an die Social Media Welt vergessen. Ich sog die scharfkalte Luft in meine Lungen ein, zog meine Mütze noch tiefer ins Gesicht, kuschelte mich in meine Jacke und meinen dicken Pulli. Dann ging es steilbergauf, die Waden schmerzten. Aufgeben war keine unmöglich. Ganz oben dann der Ausblick. Nun ja. Zumindest theoretisch. Es war neblig. Nichtsdestotrotz erlebte ich fast zwölf Stunden in der realen Welt, im Hier und Jetzt. Mich interessierte nicht, was für Bilder hochgeladen wurden, welche Beiträge mit „gefällt mir“ geklickt wurden, welche Diskussionen entfachten. Dort oben auf dem Berg, ohne Netz, ohne ständige Erreichbarkeit fühlte ich mich befreiter als jemals zuvor.

dsc_0004-2dsc_0010-1dsc_0016-1dsc_0026-1dsc_0032

Geht es anderen genauso wie mir? Erschöpft von dem Online-Leben? Wunsch nach mehr realer Welt?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s