Was man wissen sollte

Was man über das französische Unisystem wissen sollte

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1. „Sie sind eh NUR Stundent“
Ich bin es gewöhnt, dass mich die Professoren in der Uni mit meinem Nachnamen ansprechen und mich siezen. Ich finde, dass zeugt von Gleichberechtigung. Ich bin zwar Studentin, bin aber auch eine Erwachsene. Die Professoren nahmen mich für voll. Die Professoren in Frankreich hingegen duzen einen, ungehemmt, ohne zu fragen. Würde mich nicht stören, würden sie das gefragt tun. Meinen Vornamen zu sagen könnte ja von Vertrautheit zeugen, für mich eher, dass sie sich über mich stellen. Ich nenn sie ja schließlich auch „Madame“ und „Monsieur“. Peinlicherweise irriert mich das ganze Geduze. Außerdem ist die dritte Person Singular mancher Verben im Französischen leichter zu bilden als die Pluralform. Dann rutscht mir schon mal ein „tu“ heraus. Ist unangebracht, weiß ich selber. Zeugt ja nicht von Höflichkeit. Das „tu“ benutzen sie aber auch.
2. Willkommen zurück in der Schule
Wenn ich an meine Uni denke, dann vermisse ich vor allem,  dass ich mich während des Semesters nur auf mein Referat konzentrieren musste, sonst war da nichts zum Vorbereiten. Nicht mal für eine Prüfung. Ich schrieb ja eh nur Hausarbeiten. Hier aber gibt es Hausaufgaben und dazu Noten, auch auf die Mitarbeit. Eine Freundin erzählte mir sogar, sie würden Vokabeln abgefragt bekommen. Das universitäre System in Frankreich ist verschult. Daran muss man sich gewöhnen. Zumindest für die nächsten 9 Monate.
3. Zum Thema Schule…
Die Verschulung der Uni merkt man aber nicht nur an den Dozenten, sondern auch an den Studenten selber. In meiner Uni herrschte während den Seminaren Ruhe, wenn der Lehrer sprach. Es war ein Miteinander auf Augenhöhe, respektvoll. Nagut, dass mit dem Aufpassen war natürlich so eine Sache. Ich muss gestehen, dass ich in manchen Seminaren dann doch länger als gewollt am Handy saß. Dabei hab ich aber wenigstens keinen gestört. Sitzt man nun hier in den Seminaren, dann ist ständig etwas los. Pausenloses aufs Klo rennen, rascheln, es wird gegessen, geschnattert, dem Dozenten ins Wort gezischt. Man lässt den anderen nicht aussprechen, die Handys sind pausenlos auf Vibration gestellt. Meine Dozenten wären da wohl schon längst an die Decke gegangen oder hätten was gesagt. Hier ist das egal. Die halten es hier nicht mal für nötig, den „Studenten“ ein paar Manieren beizubringen. Die Dozenten erwarten auch nicht einmal, dass die Studenten die Blätter, die als Vorbereitung ins Internet gestellt wurden, ausdrucken und mitnehmen. Die Dozenten werden es eh austeilen. (man kann das natürlich nicht auf alle Studenten beziehen. Beim Großteil ist mir das dann schon aufgefallen)
4. Pünktlichkeit? Ordnung?
Eins lernte ich hier schnell: wenn der Unterricht um 10.30 beginnt, kommt der Dozent um 10.45, oder um 11. Je nach Lust und Laune. Die Studenten auch. Sie gehen schon von vornherein davon aus, dass der Prof sich Zeit lässt. Lustig ist auch, wenn der Prof spontan entscheidet, den Raum zu wechseln und es keinem sagt. Machen sie gerne, finden sie anscheinend lustig. Wenn man aber nicht auftaucht, sind sie pas contents.
5. Alles braucht seine Zeit…gilt nicht für Studenten
Die Franzosen gehen an alles etwas entspannter heran, zumindest die Dozenten und die Verwaltung. Von den Studenten wird erwartet, alles sofort zu machen, bloß nicht zu bummeln. Bei der Verwaltung schaut das anders aus. Ihre Struktur, wenn man davon überhaupt reden kann, folgt seinen eigenen Regeln, oder auch keinen. Ich blick da nicht durch. Wenn man etwas ganz dringend braucht, innerhalb von zwei Wochen, dann sollte man es vier Wochen vorher beantragen und mehrmals nachhaken. Aber nicht zu oft. Das würde zu sehr stressen. Wollen sie hingegen etwas von euch, dann macht das am besten noch gestern. Sicher ist sicher.
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