Storytime

Die Sache mit der Freundschaft

img_20160921_080831Habt ihr euch jemals Gedanken darüber gemacht, wie ihr so eure Freunde kennen gelernt habt? Wenn ich daran denke, fällt mir auf, dass ich bis dato nie jemanden angesprochen habe, und wir wurden Freunde. Es war bis dahin eher dieses „ach, das ist die Freundin von der“-Prinzip. Ich wurde meist vorgestellt und entweder es hat geklappt, oder ich sah die Person nie wieder.

Ich kann mich noch an die fünfte Klasse erinnern, als ich ganz alleine in der Schule stand und dann hieß es: „Sucht euch einen Sitznachbarn aus“. Ja, lustig. Ich kannte niemand, und Klein-Iris stand nur da und blickte sich im Raum um. Um mich herum bildeten sich Grüppchen, weil entweder sie sich gegenseitig ansprachen, oder sie waren schon vorher miteinander befreundet. Ich hab da nicht so reingepasst. Wie war das eigentlich im Kindergarten, in der Grundschule? Soweit reichen meine Erinnerungen gar nicht mehr. Dann sprach mich zum Glück ein kleines Mädchen mit Zöpfchen an. „Willst du vielleicht neben mir sitzen?“ Klein-Iriss Augen haben dann aber gefunkelt. Sie wurde meine beste Freundin.

Acht Jahre später in der Uni, 300 Kilometer von zuhause entfernt. Ich erinnere mich noch an die ersten Wochen, in denen von meinen Verwandten immer wieder die Frage kam: „Und? Hast du schon jemanden kennen gelernt? Eine neue Freundin?“ Jedes Mal antwortete ich nur: „Nein, habe ich nicht“. Im Hinterkopf schwelgte noch hinzu: Ich habe auch nie gelernt, wie das funktioniert! Das mit dem gegenseitig Vorstellen hat damals auch nicht funktioniert: ich kannte hier ja schließlich niemanden. Mein fehlendes Können habe ich kurze Zeit später zur Geltung gebracht. Da dachte ich: „Spring ich über meinen Schatten und spreche das Mädchen an, das mit mir Kunstgeschichte studiert.“ Leichter gedacht als gemacht. Ich bin zu ihr gestapft, mit gutem Willen, gutem Plan. In meinem überschwänglichen Iris-reiß-dich-zusammen habe ich aber wie ein Wasserfall losgequatscht und ihr dann – meiner Meinung nach peinlicherweise – die Hand gegeben, als ich mich vorstellte. Mir war das peinlich. Wirklich. Meine Freundin, die irgendwo meilenweit von mir saß, meinte es wäre höflich gewesen…

Weitere drei Jahre später in Frankreich: Ich kam mit einer Kommilitonin hierher. Ich kannte hier also schon jemand. Sie habe ich übrigens einfach so ohne großes Nachdenken kennen gelernt. Einfach aus dem Grund, weil wir das gleiche studierten. Sie war einfach da. Ich war einfach da. Dann haben wir also einfach miteinander geredet. So unkompliziert geht es also auch. Hier in Frankreich kommt aber jetzt die Hürde der Sprache dazu. Weiß ich schon in meiner Muttersprache ehrlich gesagt nie, was ich sagen soll, ist das auf Französisch noch komplizierter. Aber vergleiche ist das ganze mit der fünften Klasse, gibt es eigentlich wenig Unterschiede. Man gesellt sich zu fremden Menschen und quatscht sie einfach an. „Tu t’appelle comment?“ „Tu viens d’où?“ „Quels études fais-tu ici?“ Eigentlich immer das gleiche. Wenn dann Gemeinsamkeiten gefunden werden, dann kann die Unterhaltung weiter geführt werden, wenn man sich stattdessen über die Windzirkulation der Erde unterhält, weil einem nichts anderes einfällt, dann ist es gescheitert, oder es benötigt einen Neustart. Letztendlich, immer dann, wenn wir in neue Städte ziehen, einen neuen Job beginnen oder auch einfach so neue Bekanntschaften machen möchte, rücken wir tatsächlich immer wieder in die gleiche Situation wie in der fünften Klassen. Wir sind natürlich etwas reifer, wir gehen nicht hin und fragen, ob wir Freunde sein wollen, aber an sich ist es nichts anderes. Das ändert sich im Leben wahrscheinlich nie. Denke ich zumindest.

Seid ihr anderer Meinung?

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